BWK - M3 in der praktischen AnwendungHintergrundSeit April 2001 liegt der Weißdruck des BWK - Merkblattes 3 (
BWK - M3) vor. Der Titel lautet: "Ableitung von immissionsorientierten Anforderungen an Misch- und Niederschlagswassereinleitungen unter Berücksichtigung örtlicher Verhältnisse". Mit dem Merkblatt kann erstmals unter standardisierten Bedingungen die im § 1 WHG geforderte immissionsbezogene Prüfung durchgeführt werden. Seit Mai 2003 gibt es zusätzlich den Begleitband, in dem Hintergründe zur Herleitung der Zielgrößen dargestellt und Hinweise zur Auslegung des
BWK - M3 gegeben werden.
Erfahrungen des IBBECKDas IBBECK konnte bisher in einer Vielzahl von größeren und kleineren Projekten das Merkblatt auf seine Tauglichkeit in der Praxis überprüfen. Es wurden sowohl Mittelgebirgs- als auch Flachlandgewässer betrachtet.
Die Erfahrungen zeigen, dass das Merkblatt bei sachgerechter Anwendung ein handhabbares Planungsinstrument darstellt, mit dem die immissionsbezogenen Anforderungen in Fließgewässern erfasst und die notwendigen Maßnahmen zur gewässerverträglichen Einleitung abgeleitet werden können.
Der Vorteil des BWK - Nachweises ist die ganzheitliche Betrachtung des Gewässers. Durch die zwingend notwendige Ortsbegehung werden insbesondere die Belastungsschwerpunkte erkannt. Diese können mit höchster Priorität saniert werden, so dass effiziente Maßnahmen zu einem ökologisch besseren Gewässerzustand führen.
Unterschiedliche Zuständigkeiten können jedoch die ganzheitliche Betrachtung erschweren. Mischwasserbehandlungsanlagen werden häufig von den Wasserverbänden und den Kommunen betrieben. Hier sind in der Regel aktuelle Kanalnetzanzeigen vorhanden, die Auskunft über Entlastungen geben. Die Informationen zu Einleitungen aus dem Trennverfahren liegen in der Regel bei Kommunen vor.
Schwierig wird es jedoch häufig bei ungedrosselten Regenwassereinleitungen aus dem Trennverfahren, insbesondere wenn Straßen oder Privatflächen betroffen sind. Meist liegen von Straßenentwässerungen keine ausreichenden Informationen über die Anzahl und Lage der Einleitungsstellen vor. Auch Informationen zu Regenwassereinleitungen von Gewerbebetrieben sind oftmals schwer zu beschaffen. Bei der Ermittlung von Maßnahmenvarianten ist es diffizil, den unterschiedlichen Beteiligten gerecht zu werden und den Aufwand möglichst nach dem Verursacherprinzip zu verteilen.
Es wird deutlich, dass sich aus einem
BWK - M3 Nachweis weit reichende Konsequenzen auf andere Planungen ergeben. So müssen z.B. Kanalnetzanzeigen aktualisiert werden, wenn sich aus dem Nachweis Umbaumaßnahmen an Mischwasserhandlungsanlagen ergeben.
Bei Bebauungsplänen sollte grundsätzlich geprüft werden, ob Regenwasser zukünftig in ein Gewässer eingeleitet wird und ob dies nach
BWK - M3 möglich ist.
FazitDas BWK - Merkblatt 3 ist in jedem Fall ein praxistaugliches Hilfsmittel zur nachhaltigen Gewässerbewirtschaftung im Sinne der EG Wasserrahmenrichtlinie.
Unter Zugrundelegung der gleichen Grundlagen werden verifizierbare Ergebnisse erzielt. Schwierig kann der Umgang bei einer nicht möglichen Nachweisführung werden. Hier ist zu entscheiden, inwieweit Maßnahmen ergriffen oder weitere detaillierte Untersuchungen durchzuführen sind. Durch Benennung von Prioritäten und Entwicklungsmöglichkeiten in den verschiedenen Gewässerabschnitten kann der Planer hier zur Transparenz beitragen.
AusblickDie immissionsbezogenen Beurteilungen der Gewässer haben sich zu einem übergeordneten und standardisierten Planungsinstrument entwickelt. Als standardisierte Werkzeuge hierfür stehen derzeit lediglich das BWK - Merkblatt 3 und das DWA - Merkblatt 153 zur Verfügung. Dabei stellt das
BWK - M3 in seinem Anwendungsgebiet das präzisere Werkzeug dar, da die jeweiligen Gewässersituationen stärker berücksichtigt werden. Um die Auswirkungen der Maßnahmen, welche sich aus der immissionsbezogenen Bewertung ergeben, besser beurteilen zu können, ist zusätzlich eine Analyse über das Entwicklungspotenzial des Gewässers sinnvoll. Gegebenenfalls sind weitere Immissionsbetrachtungen wie zum Beispiel Fließzeitanalysen, orientierende gewässerökologische Untersuchungen sinnvoll. Dabei sind die Komponenten Landschaft und Siedlung zu berücksichtigen.